Sind Teflon-Beschichtungen giftig?

Teflon giftig

Teflonpfannen finden sich in vielen Haushalten, vermutlich auch in Ihrem. Die Vorteile dieser Pfannen liegen auf der Hand: Sie sind meist günstig und wesentlich einfacher zu reinigen als unbeschichtete Pfannen.

Teflon und PTFE – der Unterschied

PTFE wird umgangssprachlich als Teflon bezeichnet. Teflon ist aber eigentlich der Markenname für das PTFE der Firma DuPont bzw. Chemours. Auf unserer Website verwenden wir die beiden Ausdrücke synonym.

Aber Teflonpfannen haben auch eine negative Seite: Unter bestimmten Umständen können sie für den Menschen schädlich sein.

Wir von Pfannenhelden.de gehen der Sache auf den Grund und klären, was es mit der Gefahr durch Teflonpfannen auf sich hat.

Dazu schauen wir uns erst einmal an, wie wir überhaupt in Kontakt mit Teflon kommen können:

Kontakt mit Teflon

Teflon beziehungsweise PTFE (eine Erklärung zu PTFE finden Sie im Artikel Teflonpfannen) kann über zwei Arten in unseren Organismus gelangen: Verschlucken und Einatmen.

Verschlucken von Teflon

Teflonpfannen verschleißen mit der Zeit, das ist Fakt. Wenn die Beschichtung beschädigt ist, können Teflonteilchen ins Essen gelangen und damit auch in unsere Körper.

Einatmen von PTFE-Dämpfen

Werden Teflonpfannen zu hoch erhitzt, kann das PTFE ausgasen. Bei schlechter oder wenig Belüftung nimmt der Mensch diese Dämpfe über die Atemwege auf. Wenn PTFE ausgast, entstehen verschiedene, giftige Stoffe. Dazu gehört z.B. gasförmige Fluorwasserstoffsäure oder Carbonylfluorid.1

Gefahr durch Teflon

Verschlucken von Teflon

PTFE/Teflon ist chemisch „inert“, das bedeutet es reagiert bei normalen Temperaturen nicht mit anderen Stoffen. Die Körpertemperatur des Menschen liegt zwischen ca. 36 und 37° C. Sie ist nicht ausreichend hoch, als dass verschlucktes Teflon Schaden im Körper anrichten könnte. Stattdessen werden die runtergeschluckten Teilchen nach derzeitigem Wissenstand einfach wieder ausgeschieden.2

Kratzer in der Teflonbeschichtung schaden der Gesundheit nicht.
Kratzer in der Teflonbeschichtung schaden der Gesundheit nicht.

Das bedeutet: Auch zerkratze Teflonpfannen stellen keine Gesundheitsgefahr dar. Auch wenn Teflonbrösel im Essen unappetitlich aussehen, geht von ihnen keine Gefahr aus. Sie müssen Ihre Pfanne mit Kratzern also nicht entsorgen, sondern können Sie weiter verwenden.

Inhalation von Teflondämpfen

Anders sieht es bei Teflondämpfen aus. Seit der Verwendung von Teflon gibt es mehrere Studien, die sich mit der Giftigkeit der austretenden Dämpfe durch Überhitzung befassen. Die Inhalation dieser Dämpfe kann zum sogenannten Teflonfieber führen, die Symptome sind grippeähnlich. Die Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, ein trockener Hals und Husten sind stark, aber nur von kurzer Dauer. 34

Die zitierten Studien beziehen sich nur auf den Effekt von einmalig eingeatmetem Teflondampf. Es gibt keine Studien über die Langzeitfolgen von wiederholtem Einatmen von PTFE-Dämpfen.

Erheblich gefährlicher sind Teflondämpfe allerdings für Vögel: es gibt diverse Berichte von Vogelhaltern, deren Tiere starben, nachdem beschichtete Pfannen auf dem Herd gelassen wurden. 5 6

Mehr Informationen und Hinweise, wie Sie Teflonpfannen in einem Haushalt mit Vögeln verwenden können, finden Sie im Artikel: Teflonpfannen und Vögel

Bei welchen Temperaturen fangen Teflonpfannen an, Gase zu entwickeln?

Darüber gibt es unterschiedliche Aussagen.

Die Environmental Working Group, eine Umweltschutzgruppe, die Teflon sehr kritisch gegenüber steht, zitiert eine Studie, bei der Vögel schon bei 202° Celsius starben. 7 Allerdings bezieht sich die zitierte Studie auf Teflon, das auf Glühbirnen angebracht war und gibt keinen Hinweis darüber, wie das PTFE an den Lampen angebracht wurde. 8

Eine Studie der Wissenschaftler Lee und Seidel mit Ratten mit erhitztem Teflon führte bei zwei von drei Ratten zum Tod. Allerdings wurden für das Experiment erneut erhitzte PTFE Partikel verwendet, die zuvor durch Pyrolyse erzeugt worden waren. Die Temperatur der erneut erhitzten Teflonpartikel lag bei 240° Celsius und die Ratten waren den Dämpfen für 30 Minuten ausgesetzt. 9

DuPont, der Hersteller von Teflon, nennt 260° Celsius als sichere Temperatur, bis zu der teflonbeschichtete Pfanne ohne Probleme erhitzt werden können.10 Auch andere Studien nennen 260° Celsius als den Zeitpunkt, zu dem sich das Teflon zu zersetzen beginnt.11

Da Studien über die Auswirkung von Teflondämpfen mit Menschen natürlich nicht durchgeführt werden dürfen, ist nicht genau geklärt, ab welcher Temperatur Teflon für den Menschen gefährlich werden kann.

Welche Temperaturen herrschen beim Braten in Pfannen?

Temperaturen, bei denen man von Braten spricht, bewegen sich zwischen 180 und 230° Celsius. 12

Das unten stehende Diagramm zeigt die verschiedenen Temperaturen, die beim Braten entstehen.

Wie bereits beschrieben beginnen die Zersetzungsprozesse von PTFE schon ab 260° Celsius. Der Rauchpunkt der meisten pflanzlichen Speiseöle liegt mit 180° und 230° Celsius darunter13, jedoch schon gefährlich nahe an der Temperatur, die DuPont als maximale Temperatur für Teflon angibt und sogar über der Temperatur aus der oben genannten Studie über Vögel von 202° Celsius.

Wird es noch heißer in der Pfanne, kann es zu einem Fettbrand kommen. Sobald das Öl seine Zündtemperatur erreicht, reagiert es mit dem Sauerstoff aus der Luft und entzündet sich. Olivenöl hat einer Quelle zufolge eine Zündtemperatur von 343° Celsius14, einer Studie der University of Maryland zufolge liegt die Zündtemperatur der meisten Speiseöle oberhalb von 400° Celsius15.

Was ist mit PFOA?

Zur Herstellung von Teflon wurde von DuPont lange Zeit PFOA verwendet. PFOA ist ein Stoff, der als Emulgator dafür sorgt, dass sich das Teflon an die Pfanne bindet. Der Stoff ist vermutlich krebserregend 16, ist aber in der fertigen Teflonpfanne nicht mehr oder kaum zu finden.17 Das liegt daran, dass PFOA bei 189° Celsius verdampft, bei der Herstellung von PTFE-beschichteten Pfannen aber Temperaturen von mehr als 300° Celsius herrschen.18

In einer Studie wurde die Auswirkung von PFOA-versetztem Grundwasser, das durch DuPont in den Umlauf gebracht wurde, auf den Menschen untersucht. Die Studie fand heraus, dass die Personen, die mehr PFOA im Blut hatten, eher an Krebs erkrankt waren als Personen ohne erhöhtes PFOA-Level. 19

DuPont und andere große Chemiefirmen (darunter auch BASF) haben allerdings mittlerweile ihre Emissionen an PFOA auf fast 0 reduziert. 20

Teflon und Umwelt

PTFE-Pfannen verlieren mit der Zeit ihre Haftwirkung und müssen früher oder später ersetzt werden. (Mehr über die Gründe dafür in unserem Artikel zu Teflonpfannen).

Bei der Entsorgung (die Pfannen werden verbrannt), entstehen giftige Stoffe, ähnlich wie beim Überhitzen der Pfanne.21 Allerdings wird mittlerweile eine Recyclinganlage für Teflon in Deutschland getestet. 22

Unser Fazit

Wenn Ihnen die Umwelt wirklich wichtig ist, sollten Sie auf Teflonpfannen verzichten. Die Pfannen müssen wesentlich häufiger entsorgt werden und können momentan nur in geringem Maße recycelt werden.

Nichtsdestotrotz verschmutzt vermutlich jede Herstellung von Pfannen die Umwelt auf die ein- oder andere Weise. Allerdings halten unbeschichtete Pfannen wie Eisen-, Kupfer- oder Edelstahlpfannen bei guter Pflege ein ganzes Leben lang. Wenn Sie von Teflonpfannen umsteigen wollen, empfehlen wir Ihnen Eisenpfannen. Hier zeigen wir Ihnen, welche wir gut finden: Unsere Empfehlungen für Eisenpfannen

Schauen wir uns nur die Auswirkungen auf unsere Gesundheit an, sind PTFE-beschichtete Pfannen bis 260° Celsius laut aktuellen Erkenntnissen unproblematisch. Es ist natürlich schwierig, die Temperatur einer Pfanne ohne Thermometer zu bestimmen.

Wir empfehlen deshalb, Teflonpfannen immer nur auf niedriger bis mittlerer Hitze zu verwenden. Gut eignen sie sich deshalb z.B. zum Aufwärmen von Speisen oder zur Zubereitung von Eierspeisen.

Zur Handhabung und Pflege von PTFE-Pfannen finden Sie mehr in unserem Artikel zu Teflonpfannen. Die Hinweise zur Verwendung helfen auch dabei, die Lebenszeit der Teflonbeschichtung zu verlängern.

Fußnoten

  1. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/fam.810160204/epdf
  2. http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_koch__und_bratgeschirr_mit_antihaftbeschichtung-7012.html#topic_7018
  3. Harris, D., Lond M. B. Polymer-fume fever. The Lancet. 1951; 258(6692): 1008–1011.
  4. Shimizu T., Hamada O., Sasaki A., Ikeda M. Polymer fume fever. BMJ Case Reports. 2012. doi:10.1136/bcr-2012-007790
  5. http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Massensterben-beim-Raclette/story/23166760
  6. http://www.heute.at/news/oesterreich/noe/Papageien-starben-wegen-Teflon-Pfanne;art23654,1032221
  7. http://www.ewg.org/research/canaries-kitchen/teflon-offgas-studies
  8. Boucher, M., Ehmler, TJ and Bermudez, AJ. 2000. Polytetrafluoroethylene gas intoxication in broiler chickens. Avian Dis 44(2): 449-53.
  9. Pulmonary Response to Perfluoropolymer Fume and Particles Generated under Various Exposure Conditions
  10. https://www.chemours.com/Teflon/en_US/products/cookware_myths.html#q11
  11. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0141391097000979
  12. Quantitation of gas-phase perfluoroalkyl surfactants and fluorotelomer alcohols released from nonstick cookware and microwave popcorn bags.
  13. U.S. Fire Administration (2015): https://www.usfa.fema.gov/downloads/pdf/coffee-break/cb_fp_2015_20.pdf
  14. S. Krist, Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle, SpringerLink : Bücher, Springer Vienna, 2012, S. 587
  15. K. Buda-Ortins, Auto-Ignition of Cooking Oils, University of Maryland, Department of Fire Protection Engineering, 2010, S. 2
  16. http://cen.acs.org/articles/83/i27/PFOA-CALLED-LIKELY-HUMAN-CARCINOGEN.html
  17. TEFLON AND HUMAN HEALTH: DO THE CHARGES STICK? Assessing the Safety of the Chemical PFOA, http://www.lumenflon.com/upload/media/Nota10.pdf
  18. Determination of perfluorooctanoic acid (PFOA) extractable from the surface of commercial cookware under simulated cooking conditions by LC/MS/MS,http://www.lumenflon.com/upload/media/Nota03b.pdf
  19. PFOA and Cancer in a Highly Exposed Community: New Findings from the C8 Science Panel
  20. https://www.epa.gov/assessing-and-managing-chemicals-under-tsca/20102015-pfoa-stewardship-program-2014-annual-progress
  21. https://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/chemie/150714_bund_chemie_fluor_studie.pdf
  22. http://www.euwid-recycling.de/news/wirtschaft/einzelansicht/Artikel/dyneon-nimmt-recyclinganlage-fuer-fluorpolymer-abfaelle-in-betrieb.html